We are specialized!

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Donnerstag, 14. September 2017

What a wonderful world: Pass der Pässe!

Die letzten beide Tage waren so voll gepackt mit neuen und wunderschönen Eindrücken, dass ich diese noch gar nicht alle verarbeitet habe. Vom Pass der Pässe hin zu einem epischen Gletschergebiet:

Tag 5: Die Königin aller Pässe

Auf der Liste mit den Dingen, die ein Radsportler in seinem Leben gemacht haben muss, steht das Stilfser Joch ganz weit oben. "Pass der Pässe", "Königin der Passstraßen" -viele Namen ranken sich um den berühmten Anstieg auf den höchsten Gebirgspass Italiens. 2757 Meter misst das Stilfser Joch am höchsten Punkt.



Vom Örtchen Prad aus sind 22 Kilometer, 1850 Höhenmeter und 48 Spitzkehren zu überwinden. Das Wetter war uns wohlgesonnen, aber wir hatten die Fahrt auch auf den wettertechnisch besten Tag der Woche gelegt. Am Vortag war oben einiges an Neuschnee gefallen, doch am Morgen waren die Straßen wieder frei. Die Auffahrt war traumhaft. Wir wollten das ganze im Grundlagentempo absolvieren, um die Aussicht und die vielen Perspektiven in aller Ruhe genießen zu können. Zudem waren viele Fotostops unumgänglich, da hinter jeder Spitzkehre ein neuer wunderschöner Ausblick wartete.



Schneller als erwartet kam dann auch schon das Ziel - die Hütte am höchsten Punkt in Sichtweite. Zum Greifen nah, aber trotzdem noch ein weiter Weg. Die engen Kurven ließen uns zwar rasch an Höhe gewinnen, dennoch zogen sich die letzten Kilometer. Nach 2 Stunden und 15 Minuten hatten wir dann das Ziel erreicht und genossen den Ausblick vom höchsten Punkt. Ein magischer Moment!



Die Abfahrt führte uns dann durch die Schweiz und dauerte leider etwas länger, da eine der Carbonfelgen das Bremsen nicht verkraftete und riss. So mussten wir Laufräder tauschen und konnten jeweils nur noch mit einer Bremse bremsen. Nun steht fest, dass das nächste Rennrad unbedingt Scheibenbremsen haben muss.



Im Tal angekommen - die erste Trauer um den teuren Laufradsatz war überwunden - rollten wir dann noch die letzten 40 Kilometer zurück nach Goldrain und setzen nun einen Haken an die Bezwingung des "Passes der Pässe".

Tag 6: Wandern statt Radfahren

Da wir nun nur noch einen komplett fahrtüchtigen Laufradsatz zur Verfügung haben, setzten wir auf Alternativsport: Wandern! Mit dem Bus ließen wir uns bequem auf 2000 Meter befördern und dann tauchten wir ein ins Hochgebirge. Zunächst erkundeten wir die Primaschlucht mit einem beeindruckenden Gebirgsbach.



Eigentlich war uns die Wanderroute im Vorhinein noch nicht ganz klar. Jedoch stellten wir fest, dass je höher wir kamen, auch die Sonne immer mehr zum Vorschein kam. Irgendwann schauten wir dann hinab auf den Nebel im Tal und ringsumher tauchten die schneebedeckten 3000er auf. Gerade so konnte ich noch daran gehindert werden, dass wir eine extrem schwere Route hinauf zum 2996 Meter hohen kleinen Rotspitz in Angriff nahmen. Ich war motiviert, aber dafür hatten wir heute leider nicht das richtige Equipment dabei.



Wir entschieden uns für eine mittelschwere Route, die über einen alten Gletscher auf fast 2900 Meter führte und eine wundervolle Landschaft freigab. Wasserfälle, Gesteinsbrocken, Schluchten, Bachläufe - ich konnte mich gar nicht sattsehen an dieser beeindruckenden Landschaft. So war unsere "Ruhetagswanderung" letztlich doch zum Abenteuer mit 16 Kilometern und 4 Stunden Gangzeit geworden.


In diesem Sinne:
Keep on riding,
Vanessa

"Du kannst doch so nicht auf 3000 Meter, du erfrierst."
"Warum setzt du dich nicht an einen windgeschützten Platz?"   - "Weil ich Hunger habe."
"Och wie, schon oben?!"



Dienstag, 12. September 2017

Bella Italia: Auf den Spuren des Giro d´Italia und plötzlicher Wintereinbruch

Tag 3: Schlussanstieg einer Giroetappe
Wie es sich für das typische Wetter in dieser Region gehört, starteten wir mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen in den Tag. Also schnell aufs Rad! Auf dem Programm stand die Fahrt durch das Martelltal hinauf zum "Lago di Gioveretto" - dies war einmal Schlussanstieg des Giro d´Italia. Der Anstieg war lang genug - insgesamt fast 1500 Höhenmeter am Stück - um drei lange Tempointervalle einzubauen und trotzdem noch nicht oben zu sein. Wenn man sich dann überlegt, dass die Giro-Etappe vor diesem Anstieg noch auf das Stilfserjoch führte - Respekt für solche Leistungen.

Es gab einige steile Rampen mit 15 % Steigung, viele Spitzkehren, auf denen man sich langsam nach oben schraubte, abgelege Ortschaften und beeindruckende Natur. Die lange Auffahrt belohnte dann der Blick auf den Stausee, smaragdgrün und wunderschön. Die weißen Bergspitzen der umliegenden 3000er spiegelten sich im Wasser. Episch. Ich liebe die Berge - diese beeindruckende Natur mit steilen Berghängen und schroffen Felsen, Wasserfällen und unerreichbaren Gipfeln zeigt einem immer wieder auf, wie klein der Mensch in der Natur ist.



Man merkte deutlich, dass wir uns auf über 2000 Meter hochgearbeitet hatten - die Luft wurde merklich dünner und auch die Temperaturen sanken stark ab. Zum Glück waren wir vorbereitet und hatten warme Kleidung zum Überziehen dabei. Die Abfahrt war dann fast anstrengender als die Auffahrt, da das permanente Bremsen die Arme ganz schön lähmte. Im Tal angekommen war ich trotz warmer Kleidung so durchgefroren, dass ich mich so wie noch nie auf einen heiße Dusche freute.

Aber genau das macht das Sportler-Leben so facettenreich: Wir bewegen uns oft am Limit und wissen, wie es sich anfühlt, wenn man so durchgefroren ist, dass man denkt, nie mehr aufzutauen. Wir wissen auch, wie es ist, wenn einem am Anstieg im Intervall der Schweiß rinnt. Leben am Limit - ein schönes Leben. Denn das Leben beginnt außerhalb der Komfortzone!

Tag 4: Schlechte Regenbilanz
Im Anbetracht der Tatsache, dass es heute Morgen schon wieder regnete, glaube ich so langsam, dass die 300 Sonnetage nur eine Masche der Tourismusbranche sind, um Leute ins Vinschgau zu locken. :)

So war die erste Einheit des Tages funktionelles Training mit Blick auf die umliegenden Bergspitzen. Und diese waren alle bis weit ins Tal von einer weißen Schicht umgeben. Die Schneefallgrenze war in der Nacht rapide gesunken.



Die Wetterapps sagten jedoch voraus, dass es am Mittag mit der Nässe von oben aufhören sollte. Und in der Tat, darauf ist Verlass. Man kann hier an einem Tag viele Wetterzonen durchleben. Denn als wir am Nachmittag zum Training Richtung Meran auf dem Etschtal-Radweg aufbrachen, brach die Sonne durch die Wolken und es war nicht warm, sondern direkt heiß.



Ich hatte überhaupt noch nicht erwähnt, dass es hier im Vinschgau wie im Schlaraffenland ist! Ein Paradies für alle, die gerne essen - also perfekt für mich. Hier wächst alles in freier Natur. So trug es sich zu, dass ich im Grunde seitdem ich hier weile, permanent esse. Von den rund 12 Millionen Apfelbäumen werden hier jährlich 200.000 Tonnen Äpfel geerntet (Stichwort: Bildungsurlaub/Landeskunde). Und es ist unglaublich, wie gut diese Äpfel hier direkt vom Baum schmecken. Des Weiteren säumen hier Birnen-, Kiwi- und Walnussbäume die Wege. Und Erdbeeren - es gibt hier derzeit noch frische Erdbeeren vom Feld. Wie gesagt, ein echtes Paradies für Feinschmecker.

Morgen steht die Königsetappe aufs Stilfserjoch an. 48 Spitzkehren, 1844 Höhenmeter! Ein Pass, den jeder Radfahrer in seinem Leben einmal gefahren haben sollte. Ich freue mich schon.

In diesem Sinne:
Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:
"Die müssen erst auf dem Stilfser Joch noch den Schnee wegräumen."
"Jetzt eine Curry-Wurst mit Pommes."
"Ich musste die Kurven bergauf anbremsen."
"Ahhhhhh da sind Alpakas!!!!!"





Sonntag, 10. September 2017

Bella Italia! Willkommen im Vinschgau

Tag 1:
Weil Reisen ja bekanntlich bildet, war es höchste Zeit mal wieder die Koffer zu packen und gen Süden aufzubrechen. Jedoch ist es bei uns zumeist so, dass wir nicht unsere kulturelle Bildung in den Vordergrund stellen, sondern vielmehr die Bildung neuer Muskelfasern. Das Trainingslager (Reise klingt schließlich etwas harmlos) dient mir zur finalen Vorbereitung auf meinen Saisonhöhepunkt in zwei Wochen, aber natürlich kommt auch die Erholung nicht zu kurz.

Alles andere als erholsam war die Anreise ins Vinschgau/Südtirol. Bis zur Grenze nach Füssen floss der Verkehr so gut, dass wir zunächst meinten, einen neuen Rekord für die Fahrtstrecke nach Österreich aufstellen zu können. Doch dann prägten die Worte "Blockabfertigung, Grenzkontrollen und Schritttempo" unsere Weiterfahrt. Der Fernpass "Reschenpass" war stark frequentiert und alle wollten nach Italien. Um es mit Goethes Worten zu untermalen "Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen!" Als wir dann schließlich am Reschensee ankamen, legten wir einen kurzen Fotostop ein, um das versunkene Dorf inklusive dem berühmten Kirchturm in Augenschein zu nehmen.



Wenn gleich ich schon einige Male in den Alpen meine Zeit verbracht habe - meist im Winter - war ich völlig orientierungslos, was die Lage unseres Zielortes Goldrain im Vinschgau betraf. Vom Reschensee ging es stetig bergab, die Temperaturen stiegen stetig an. Und dann nach längerer Fahrtzeit als eingeplant, erreichten wir endlich das von Apfelplantagen gesäumte Vinschgau.

Dann gab es natürlich kein Halten mehr und sofort sattelten wir die Räder und erkundeten die Gegend mit ein bisschen Intensitätstraining am Berg. Abschluss war dann ein original italienisches Eis sowie eine Pizza aus dem Steinofen. Italienischer Lifestyle. :)





Tag 2:
Enttäuscht nahmen wir am Morgen zur Kenntnis, dass sämtliche zur Rate gezogenen Wettervorhersagen Recht hatten: Es regnete in Strömen! Und das ist hier im Vinschgau eine echte Seltenheit. 300 Sonnentage und nur 500 Liter pro Quadratmeter Regen im Jahr. Davon hatten wir heute ca. schon ein Drittel an einen Tag. Naja man will ja alles einmal erlebt haben, so auch einen echten Regentag im Vinschgau. Selbstverständlich gab es ein Alternativprogramm mit Schwimmen und erholen in der Therme. Und am Nachmittag war uns das Wetter wieder gnädig und wir brachen zu einer Wanderung auf. Ab morgen prophezeien uns die Vorhersagen wieder Sonne pur und die eigentliche Mission "Radfahren" kann in Angriff genommen werden.



Bis dahin:
Keep on riding,
Vanessa


Zitate:
"Noch nie habe ich hier einen Regentag erlebt!"
"Die Leute sind überfordert mit Regen, schau, wie die Ihre Schirme tragen."
"Dann kraul´ doch jetzt mal ein paar Bahnen" - "Das kann ich gar nicht."

Montag, 4. September 2017

Spessart-Challenge Bad Orb: Wenn die Angst zum Gegner wird.

Die Entscheidung der Teilnahme an der Spessart-Challenge in Bad Orb hatte ich mir im Vorfeld nicht leicht gemacht. Schließlich sollte dies mein erster Marathon nach meinem schweren Sturz und meiner verletzungsbedingten Zwangspause werden. Die Vorfreude trübten Zweifel, ob ich schon wieder bereit bin für das Gelände, Trails, Wurzeln, Steine und gefährliche Passagen. Denn bisher war ich nach Ende meiner Verletzungspause fast ausschließlich mit dem Rennrad unterwegs und hatte mich bisher noch nicht auf meine Hometrails gewagt. Somit war der Start in Bad Orb ein „Sprung ins kalte Wasser“. Ich dachte mir eben, wenn ich den Wettkampfdruck im Nacken habe, wird das schon irgendwie laufen. Und, dass ich dann meine alten Muster der Fahrtechnik und Fahrsicherheit wieder automatisiert abrufen kann. Doch ob dies in der Praxis so einfach ist?

Zunächst begrüßte uns die Kurstadt Bad Orb am frühen Morgen mit kalten Temperaturen und dichtem Nebel. Die üblichen routinierten Szenarien – Startunterlagen holen, Rennkleidung zurechtlegen, Startnummer ans Rad heften, den letzten Snack einnehmen -  strahlten eine gewisse Ruhe auf mich aus, sodass sich meine Aufregung etwas legte. Dennoch hörte ich dem Sprecher im Startblock genau zu, als er von matschigen und rutschigen Trails sprach und zur Vorsicht mahnte. Sonst hatte ich für solche Dinge kein Ohr, da ich mein Rad ohne Probleme durch alle Passagen lenkte. Heute überwog jedoch ein für mich völlig fremdes Gefühl: Angst. Angst vor Trails, Wurzeln, Abfahrten und weiteren Stürzen. Und ich weiß, es ist nicht gerade von Vorteil, wenn man mit Angst in ein Rennen startet. Denn Angst blockiert.

 
 
Der Start war sehr gemächlich, da das Starterfeld sich eine ganze Zeit in den Windschatten eines kleinen Elektroautos hängen musste, welches den Weg durch die verwinkelten Gassen der Stadt markierte. Doch dann auf einer langen Gerade hieß es endlich „Start frei!“ und das Feld schoss los, direkt hinein in den ersten längeren Anstieg. Ich fühlte mich gut und war glücklich wieder auf dem MTB zu sitzen. Und Berge liebe ich sowieso. In diesem Rennen warteten drei längere Anstiege – ich war höhenprofiltechnisch wieder bestens vorbereitet.
Doch nach dem ersten Berg folgte der erste Trail – dieser lief noch einigermaßen flowig, jedoch langsamer als ich es gewohnt war. Mein Blick scannte jede potentielle Gefahrenstelle genau ab, es war viel anstrengender als sonst. Dann ging es in den zweiten Anstieg – ein Glück. Diesen nutzte ich um die verlorene Zeit im Trail wieder auszuholen. Ich war so auf meine Fahrt konzentriert, dass ich gar nicht registrierte, dass ich bereits am ersten Berg eine große Lücke zu den Verfolgerinnen aufgerissen hatte. Dies teilte mir erst einer der Streckenposten mit.
Auf den Anstieg folgte wieder ein Trail, einer von der Sorte, über den ich mich früher freute. Heute jedoch war ich vor Angst so blockiert und verkrampft, dass ich keine Sekunde der Abfahrt genießen konnte. Ich wünschte mir einfach nur, dass es gleich vorbei ist. Überhaupt fragte ich mich, ob meine gesamte Fahrtechnik, die ganzen abgespeicherte Muster und die Leichtigkeit von früher mit dem Sturz komplett gelöscht worden sind? Der Spaß, der mir in Bad Orb bergab fehlte, hatte ich dafür bergauf. Die Anstiege waren gleichmäßig und ich freute mich über die Wattanzeige auf dem Garmin.

Dann endlich kam der Kurpark von Bad Orb in Sicht und ich überquerte als Gesamtsiegern die Ziellinie. Insgesamt waren nur 13 Männer schneller als ich und der schnellste Mann war zufällig mein Lieblingsmensch, weshalb ich mich gleich doppelt freuen konnte.

 

Es war ein besonderer und emotionaler Sieg, der mich selber überrascht hat. Das Rennen glich einer Achterbahnfahrt der Gefühle und war eines der schwersten Rennen für mich. Denn mein Gegner war die Angst. Und ich werde alles daran setzen, wieder zu meiner alten Stärke im Trail zurückzufinden!






Für mein Mountainbike endet die Saison nun, das nächste MTB-Rennen werde ich vorrausichtlich erst wieder im April 2018 fahren, um über den Winter an meiner Fahrtechnik zu arbeiten.

 

 

An die Veranstalter der Spessart-Challenge möchte ich an dieser Stelle noch einmal ein großes Lob und Dankeschön richten für die tolle Organisation, die liebevolle und familiäre Betreuung und das schöne Ambiente. Ich war nun zum dritten Mal dabei und jedes Mal begeistert. Es ist sehr schade, dass es in diesem Jahr die letzte Veranstaltung von euch war!








Für mich geht es nächste Woche in ein Trainingslager im Vinschgau/Südtirol und dann werde ich die Hessischen Meisterschaften am Berg in Schotten in Angriff nehmen.


In diesem Sinne:

Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Der Nebel war so dicht, ich habe die Schilder gar nicht gesehen.”

„Wo waren denn hier schwere Trails?“   „ÜBERALL!“

„Nudel, Eis, Kuchen, Pommes – alles bitte!“
   

Montag, 28. August 2017

Bergzeitfahren auf den Brocken: Ein Harz für Biker

Home is where the Harz is? Diesem stand ich zunächst skeptisch gegenüber – doch am vergangenen Wochenende habe ich den Harz während meinem dreitägigen Kurztrip schon ein wenig ins Herz geschlossen. Bei der Anreise am Freitag konnte ich die unendlich weiten Wälder und Nationalparks allerdings noch nicht so richtig genießen, da die vielen Staus und Baustellen auf der Autobahn und die damit verbundene verzögerte Ankunftszeit die Laune gegen null sinken ließen. Und dann stand am Freitag auch direkt das erste Event des langen Rennwochenendes im Rahmen des Endurothons in Schierke auf dem Programm: Kurparksprint. Nicht für mich, aber für meinen Lieblingsmenschen, der an diesem Wochenende alle Highlights mitnahm. Neben dem Kurparksprint noch den Marathon am Samstag und das Bergzeitfahren am Sonntag. Dies hatte zur Folge, dass wir mehr Räder mit hatten, als mitreisende Personen. Mein Renneinsatz beschränkte sich hingegen auf den Sonntag, da ich mich noch nicht ins grobe Gelände wage.

Am Samstagmorgen war die Laune dann deutlich gestiegen und ich freute mich auf meinen freien Tag mit ein wenig Rennsupport und Sightseeing. Das beschauliche Örtchen Schierke wirkt auf den ersten Blick etwas verschlafen und an manchen Ecken – aber wirklich nicht an allen, nur an einigen – scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf den zweiten, oder auch dritten Blick lernt man dann aber diese Ruhe und Beschaulichkeit zu schätzen. Einsame Wälder, idyllische Bachläufe, Supermärkte, die samstags um 14 Uhr schließen, Eisenbahnen, die noch mit Dampf betrieben werden und so weiter.
Nostalgie
pur.









Am Samstagnachmittag startete ich dann motiviert zu meiner Vorbelastung, bei der ich den Brocken zur Streckenbesichtigung bereits einmal erklimmen wollte. Recherchen im Vorfeld hatten ergeben, dass es auf dem Brocken rund 200 Nebeltage gibt. Die Chancen auf Weitsicht waren somit nicht besonders groß, wenn der 1100 Meter hohe Berg über die Hälfte des Jahres von einer Nebelschicht umgeben ist. Überhaupt ist dieser Berg ein echter Mythos: Unauffällig in die Landschaft integriert und durch das hochalpine Klima liegt der Gipfel des Brockens sogar oberhalb der natürlichen Baumgrenze. Mit jedem Höhenmeter, den wir hochkurbelten (fast 600 sind es von Schierke bis zum Gipfel), stieg die Hoffnung auf eine gute Sicht. Und tatsächlich hatten wir freien Blick bei Sonnenschein und blauem Himmel und sogar die Temperaturen in der Höhenluft blieben in einem moderaten Bereich. Eine beeindruckende Aussicht.

 

Am Sonntag hieß es dann endlich auch für mich: Raceday! Das Format des Einzelzeitfahrens offenbarte für mich immer stärker seine Vorzüge:

-          Die individuelle Startzeit jedes Teilnehmers stehen bereits Tage vorher fest

-          Man kann sich auf den Punkt warmfahren

-          Das Gedränge und Frieren im Startblock entfällt

-          Kein Sturzgefahr bedingt durch andere

Vielleicht sollte ich mich auf diese Disziplin spezialisieren?
 

So fand ich mich also um Punkt 11.21 Uhr am Start ein. Die Worte meines Lieblingsmenschen (und Trainers) „Pacing ist alles!“ halten noch nach. Da es zu Beginn etwas flacher war, sollte ich mich etwas zurückhalten, um dann am steileren Endstück noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. Die Starts waren im Minutentakt und ich war die letzte Starterin im Damenfeld. Ich schaffte es, auf  die vor mir gestartete Fahrerin aufzufahren und auf den letzten Metern vor dem Ziel noch vorbeizufahren. Die Daten des Bergzeitfahrens: 8 Kilometer, 400 Höhenmeter, 24:26 Minuten Fahrtzeit.




 

Das reichte für den zweiten Platz. :)
Es handelte sich bei diesem Rennen um die Landesmeisterschaft von Sachsen-Anhalt, bei der ich mit meiner Hessischen Lizenz aber nicht für die Landesmeisterschaft gewertet werden konnte. Alles in allem war es eine perfekte Vorbereitung für die Hessische Meisterschaft am Berg in knapp 4 Wochen in Schotten.

Nach drei schönen Tagen voller neuer Eindrücke habe ich den Harz wirklich ins Herz geschlossen. Das Rahmenprogramm des Rennwochenendes „Endurothon“, ausgerichtet von den Bad Bikern, war super organisiert und sehr familiär.




Nächstes Wochenende nehme ich meinen ersten MTB-Marathon nach der Verletzung in Angriff und freue mich schon auf die Spessart-Challenge in Bad Orb.

In diesem Sinne,

Keep on riding:

Vanessa

Zitate:

„Und was machen wir, wenn der Zug kreuzt?“

„Haben die hier denn überhaupt Bananen?“

„Alles so ein bisschen von früher.“
 

Montag, 21. August 2017

Hessenmeisterschaft Stadtallendorf: Allein gegen die Zeit

Vorbelastung, Kohlenhydrate auffüllen, Wettkampftasche packen, Vorfreude und Nervosität – kurzum: Es war wieder Rennwochenende! Endlich konnte ich nach 8 Wochen verletzungsbedingter Pause wieder an der Startlinie stehen. Um langsam zurück ins Renngeschehen zu finden, hatte ich mir einen ganz speziellen Wettkampf ausgesucht, den ich von seiner Gefahrenstufe als gering einschätzte und somit als perfekt für das Comeback erachtete. Dass es sich dabei dann direkt um die Landesmeisterschaften im Einzelzeitfahren handelte, war mehr nebensächlich.

Obwohl Straßenrennen eher selten in meinem Rennkalender stehen, freute ich mich sehr auf diese Herausforderung. Denn es würde eine werden: Zum einen hatte ich einen erheblichen Trainingsrückstand, war materialtechnisch im Nachteil ohne Zeitfahrrad und auf der Straße war selbst das perfekte Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis egal (es zählt im Flachen nur die reine Leistung.) Aber egal – hauptsache ich konnte wieder Rennen fahren.
 

Am Ort des Geschehens – einem alten Kasernengelände in Stadtallendorf – angekommen, wurde schnell klar, dass es sich hier um eine echte Materialschlacht handelte. Die feinsten Carbonrenner mit allen aerodynamischen Vorzügen standen in den Startlöchern. Da wirkten wir mit unseren „normalen“ Rennrädern fast deplatziert. Den günstigen Startzeiten sei Dank, kam ich jedoch wenigstens in den Genuss von leichten Carbonlaufrädern meines Lieblingsmenschen sowie einem Lenkeraufsatz, was wir zwischen den beiden Starts schnell tauschten.

Die Strecke hielt 20 Kilometer und etwa 170 Höhenmeter und vor allem viel Wind von überall für die Starter bereit. Ich fand gut ins Rennen und konnte mein Tempo besser halten, als ich vorher erwartet hatte. So stoppte die Uhr nach knapp 33 Minuten, was für den 5. Platz reichte. Zum Podium fehlten letztlich 2 Minuten. Mit dem Ergebnis und der gefahrenen Zeit bin ich sehr zufrieden, denn mehr hatte ich nicht erwartet. :)


Nächstes Wochenende steht wieder ein Zeitfahren in meinem Rennkalender, diesmal aber am Berg – das ist eher meine Stärke. Der höchste Berg Norddeutschlands kürt den Brockenkönig. Ich freue mich darauf.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

 
Zitate des Tages:

„Materialtechnisch haben wir hier einige Nachteile.“

„Passt ein bisschen auf, hier wird heute geschossen – Doppelveranstaltung!“

 „Eher so Typ Bergfahrerin…“

 

Donnerstag, 10. August 2017

Mission: Come back stronger!

Eigentlich wollte ich diese Zeilen schon vor Wochen schreiben, hatte immer wieder Anfänge im Kopf – jedoch konnte ich mich irgendwie nicht aufraffen, das Geschehene zu reflektieren. Aber nun, besser spät als nie, gibt es ein Update – und es war viel los. Leider nicht nur Gutes.


Es war einmal…okay, es soll kein Märchen werden. Denn märchenhaft waren die letzten Wochen wahrlich nicht. Und vor allem kein Zuckerschlecken. Es begann mit einem ganz normalen Wettkampfwochenende Mitte Juni, von denen es in meiner Saison so viele gibt. Zielort war der Keiler Marathon in Wombach, auf den ich mich vorab lange freute – verband ich doch viele positive Erinnerungen damit.


Das Rennen begann für mich sehr gut, die Beine waren frisch und der Vorsprung groß. Mit den Gedanken wahrscheinlich schon im Ziel, stürzte ich in der letzten Traileinfahrt mit relativ hoher Geschwindigkeit in einer Schotterkurve auf den gestreckten rechten Arm. Sofort tastete ich mein Schlüsselbein ab – das war schon mal intakt. Jedoch merkte ich, dass irgendetwas nicht stimmte. Der Arm hatte keinerlei Kraft mehr und ließ sich nicht mehr bewegen. Aber egal – es war nicht mehr weit bis ins Ziel. Da ich keine Kraft mehr zum Schalten und Bremsen hatte, glichen die letzten Minuten bis ins Ziel dann einer gefühlten Ewigkeit. Zu allem Übel überholte mich dann auch noch eine Konkurrentin. Mit großen Schmerzen schaffte ich es dann schließlich über die Ziellinie als zweite Dame gesamt. Im Ziel angekommen wurden dann erst die Schäden sichtbar und der Adrenalinspiegel sank: Schaltwerk abgerissen, Sattel gebrochen, Einschlag am Rahmen. Die medizinische Erstversorgung, der ich mich eigentlich nur aufgrund meiner blutenden Wunde am Knie unterzog, warf auch einen Blick auf meine Schulter und empfahl zu Sicherheit ein Röntgen. Ich war mir jedoch ziemlich sicher, dass das schon wieder wird und morgen besser ist. Dazu muss ich sagen, dass ich sehr schmerzresistent bin. ;-)

Es wurde aber am nächsten Tag leider nicht von selbst besser, sodass ich mich sicherheitshalber doch in ärztliche Behandlung begab. Die Diagnose kam dann überraschend und versetzte mich in eine Schockstarre: Trümmerbruch des Oberarmes mit unbedingt notwendiger Stabilisation durch eine Operation, mindestens 6 Wochen keine Belastung. Direkt fühlte ich mich an meine Saison vor zwei Jahren erinnert, in der ich durch zwei Handgelenksbrüche völlig aus der Bahn gerissen wurde. Aber die Fragen „Warum ich? Warum schon wieder? Warum jetzt in der besten Saison meines Lebens?“ brachten mich kein Stück weiter.
 

Somit gab es nur zwei Möglichkeiten:

a)    Zurückkämpfen (d. h. viele quälenden Einheiten auf der Rolle inklusive sichtbar werden des Formverlustes in vollem Glanz)

b)    Das „Karriere“-Ende beschließen

Es gab eine kurze Phase, in der ich mir sicher war, dass ich nie mehr Mountainbike fahren kann, da die Bilder des Sturzes immer wieder aufblitzten. Zudem führe ich nun bedingt durch die Folgen der Stürze 15 Schrauben und zwei Platten umher – eine gewaltige Selbstzerstörung, die nun eigentlich ausgereizt ist. Die Phase des Zweifels währte allerdings nur kurz. Zu groß sind die Liebe und die Leidenschaft zu meinem Sport.
 

So wählte ich Möglichkeit a) und verbrachte fünf Wochen mit intensivem Rollentraining, unglaublich viel Trainingsschweiß, langen Wanderungen, vielen inneren Schweinehunden und dem Versuch irgendwie die Form zu retten.
 

Und ich vermisste das Radfahren so sehr: den Fahrtwind, die Freiheit, den Helm aufziehen, aus dem Keller rollen und losfahren, die Wettkampfwochenenden, die Vorbelastung, die Intervalle am Hausberg. Das führte mir vor Augen, dass ich momentan ohne den Leistungssport nicht leben will. Wenn gleich der Sport auf diesem Niveau auch die eine oder andere Entbehrung mit sich bringt, so wird dies in der Summe durch so viele tolle Erlebnisse, Begegnungen und Freuden aufgewogen.





Das Gefühl, als ich vor zwei Wochen das erste Mal wieder in Freiheit fahren konnte, glich dem Gefühl eines Kindergeburtstages, Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und ich war einfach nur dankbar: Dankbar dafür, dass ich endlich wieder das tun kann, was ich am meisten liebe. Und ich weiß auch, dass mir diese Dankbarkeit im Trainingsalltag gerne mal verloren geht – aber es ist nicht alles Selbstverständlich und deswegen genieße ich das es nun wieder viel intensiver.

 
 
Bedingt durch meinen auf Höchstleistungen getrimmten Sportlerkörper sowie viele Stunden Physiotherapie, verlief die Heilung recht zügig und unproblematisch – was man dann wiederum als Glück im Unglück bezeichnen kann. Da ich mich formtechnisch entgegen meiner ersten Annahmen doch einigermaßen gut fühle, werde ich tatsächlich in dieser Saison noch an ein paar Startlinien stehen. Los geht es in zwei Wochen bei der Hessischen Meisterschaft im Einzelzeitfahren auf der Straße (zwar nicht meine Disziplin, aber: sicher, da ohne Feld, im abgesperrten Gelände und vor allem ohne Schotter, Bäume und andere Gefahrenstellen :D)

Ich freue mich auf den Rest der Saison und werde nun wieder regelmäßiger berichten.

Bis dahin: Keep in riding (egal was kommt),

Vanessa