We are specialized!

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Mittwoch, 18. Januar 2017

Trainingslager Italien Tag 7 & 8: Von Ruhetagen, Eisrationen und müden Beinen

Der Tag nach dem Ruhetag ist für mich der Tag, an dem die Beine zu Beginn eher träge sind. Dieses Phänomen ist in der Sportlerwelt bekannt, da es Sportler gibt, die keine Ruhetage ohne wenigstens eine kleine Regenerationsfahrt verbringen. Mein Rad stand aber vorgestern am Regenerationstag still. Umso besser war es dann, dass die erste Einheit des neuen Trainingsblockes direkt alle Muskelfasern in den Beinen aktivierte. Kurz einrollen und dann zweimal hintereinander 30 minütige Bergintervalle. Zurückrollen und fertig. Nach einer kurzen Mittagspause, die ausgiebig zum Auffüllen der Kohlenhydratspeicher genutzt wurde (der Hunger ist hier in der Tat - wie in jedem Trainingslager - allgegenwärtig!!), ging es in die zweite Einheit. Ausdauer und Fahrtechnik rund um Finale Ligure.



Der Hunger, hatte ich eigentlich den Hunger schon erwähnt? Um nur einen kurzen Einblick zu geben: 250 Gramm Nudeln oder 500 Gramm Gnocchi an einem Abend sind kein Problem für mich. Dazu kommen einige Riegel, Gels, ein üppiges Frühstück, eine Stange Ciabatta. Das sind fast utopische Dimensionen.

Zurück zum Training: Auch heute strahlte die Sonne wieder vom wolkenlosen Himmel, jedoch wehte wieder ein frischer Wind. An manchen Stellen auch orkanartig. Um das Risiko zu minimieren, von einer solchen Windböe erfasst und davongetragen zu werden, entschied ich, mit dem Mountainbike eine Ausdauerfahrt im Gelände zu starten. Da ich die letzten Trainingsblöcke wohl doch noch recht stark in den Beinen stecken hatte - was mir allerdings mehr die Wattanzeige am Garmin verriet, als mein eigenes Körpergefühl, verlief die Einheit etwas kürzer als geplant. Ich hätte es wie geplant durchgezogen, aber mein Trainer bremste mich. Das war auch gut so. Schließlich liegt noch ein weiterer Trainingsblock vor mir, den ich schließlich noch voll motiviert genießen möchte.


Um die Motivation in den Trails hochzuhalten, gab es eine neue Belohnungstaktik. Für jede schwierige Passage, die erfolgreich gemeistert wurde, gab es eine Kugel Eis. Für jedes Absteigen wurde wieder eine Kugel abgezogen. Wenn man sich nun also gar so ungeschickt anstellte, ging die Eisration entweder gegen Null oder man musste sogar noch Eis in die Eisdiele mitbringen (ergo: 2 Mal eine Passage gemeistert zu 4 Mal abgestiegen, bedeutet also eine Bilanz von Minus 2 Kugeln). 


In diesem Sinne: Keep on riding!
Vanessa

Zitate des Tages:
"Also die Leute machen daheim Schneebilder, als wäre es der erste Winter ihres Lebens."
"Bis jetzt war es so: Entweder kurz und hart oder lang und locker. Ab morgen: lang und hart!!"
"Ich muss Kohlenhydrate zuführen, mein Körper verbrennt sich sonst selbst."

Sonntag, 15. Januar 2017

Trainingslager Italien Tag 6: Vom Winde verweht

Die vergangene Nacht war sehr stürmisch. Zeitweise dachten wir, dass ein Orkan über uns hinwegfegte. Am Morgen offenbarte sich dann das ganze Ausmaß: Unsere liebevoll zum Auslüften auf dem Balkon drapierten Radklamotten hingen in den Zitronenbäumen der Nachbarn. Nun ist es hier nicht so einfach, auf das Grundstück der Nachbarschaft zu gelangen, da alles einem Hochsicherheitstrakt gleicht. Hohe Zäune, Mauern und Alarmanlagen hinderten uns am Eindringen in das fremde Territorium. Da auf unser Klingeln niemand reagierte, mussten wir die Klamotten-Rettungsaktion auf den Nachmittag verschieben. Der Sturm der Nacht barg einen weiteren Vorteil: Sämtliches reifes Obst war von den Bäumen geweht worden und bescherte uns eine vitaminreiche Zwischenmahlzeit. Apropos Mahlzeit - unsere aus Deutschland importierten Frühstücksvorräte gehen langsam zur Neige. Ersatz ist hier schwer zu bekommen. Die Italiener scheinen mit Haferflocken, Vollkornmüsli und anderen gesunden Cerealien wenig anfangen zu können.





Der heutige Trainingstag stand mal wieder im Zeichen der Ausdauer, diesmal mit dem Rennrad. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ging es entlang der Küste hinein in ein bergiges Seitental. Insgesamt 4 lange Berge sollten heute bezwungen werden. Das Trainingsziel: Alles im Grundlagenbereich! Der Wind der Nacht war noch nicht ganz verzogen, was mir in den langen Serpentinen-Abfahrten die ein oder andere Schrecksekunde bescherte. Derzeit teste ich neue Carbon-Laufräder mit hohen Felgen, die zwar extrem leicht, aber somit auch sehr windanfällig sind. Wenn mich eine Seitenböe erwischte, hatte ich doch Mühe, das Rad zu halten.



Die Trainingseinheit war landschaftlich wunderschön und führte mit Blick aufs Meer über autoleere Passstraßen. In den vier Stunden Fahrtzeit kamen fast 2000 Höhenmeter zusammen.



So endet nun der zweite Dreierblock mit 9 Stunden Fahrtzeit, 146 Kilometern und 3600 Höhenmetern. Morgen ist wieder Ruhetag, bevor es am Dienstag mit dem Training weitergeht.

Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:
"Es kommt nicht auf Kilometer an. Einzig und allein zählen die TSS!"
"Essen die hier immer nur Nudel und Pasta? Was ist den mit Pommes, Schnitzel und Kartoffeln?"
"Wann sind denn die Orangen reif? Oder kann man die das ganze Jahr  lang ernten?"

 
 

Samstag, 14. Januar 2017

Trainingslager Italien Tage 4 bis 6: Abendessen mit dem Deutschen Meister

Die Geschehnisse und Vorkommnisse der letzte Tage:

Donnerstag, 12. Januar, Regenerationstag: Um uns auch kulturell und städtetechnisch weiterzubilden, statteten wir Genua am Ruhetag einen Besuch ab. Fazit: Eine Stadt, die unter ihrer Enge leidet. Nicht schön, aber auf jeden Fall sehenswert. Im Hafen waren sehr viele und sehr teure Jachten in ihrem Winterquartier.

Freitag, 13. Januar - Hilfe, es ist Freitag der 13.!
Der erste Trainingstag des zweiten Trainingsblockes stand wieder ganz im Zeichen der Ausdauer - oder auch Grundlage. Dazu ging hinauf in die Manie, ein großes Gebiet, das direkt hinter unseren Ferienhaus beginnt. Dort befindet sich auch die Strecke des legendären und bekannten 24-Stunden-Rennens, welches hier einmal im Jahr stattfindet. Dieser Rundkurs ist rund 10 Kilometer lang und hat es in sich: Es wechseln stetig flowige Passagen mit verblockten Steinfeldern, bissigen Anstiegen und rasanten Abfahrten.


Während ich zunächst noch in Zukunftsvisionen schwebte, dieses Rennen doch mal im Mixed-Team anzutreten, verwarf ich diese Gedanken im weiteren Verlauf der Strecke. Zwar ist die Runde schön, aber doch extrem fordernd und das dann 24-Stunden lang? Es gibt wohl doch angenehmere Rennen. ;-) Jedoch ist die Location des Events traumhaft mit Blick auf das azurblaue Meer. Nach der heutigen rund dreistündigen Tour war es dann mal wieder an der Zeit, die weiteren Kaffeeangebote in Finale Ligure zu sondieren. Es gibt noch eine neue Variante: Man bestellt Kaffee Americano und bekommt ihn schon fertig gemixt mit heißem Wasser.

In der Stadt trafen wir dann auf ein paar echte Stars der Bikerszene. So lief uns zunächst der Chefmechaniker von Cannondale über den Weg. Der uns direkt freundlich grüßte. Eine Straße weiter stand der Bus des Enduro-Weltstars Jeromé Clementz. Unser Abendessen nahmen wir dann mit Gesellschaft des Deutschen Enduromeisters André Wagenknecht vom Cube Racing Team ein. Es war also viel los.



Samstag, 14. Januar - Die Berge rufen!
Da die Berge hier lang und länger sind, kann man sich super mit Intervallen austoben. Während man in den heimischen Breitengraden die 20-30 Minuten-Berge suchen muss, werden sie einem hier in großer Vielfalt präsentiert. Am heutigen Trainingstag stand zunächst Intensität auf dem Plan, bevor dann weiter an der Ausdauer und Fahrtechnik gefeilt wurde.


Nachdem es morgens noch etwas frisch war, brach gegen Mittag die Sonne durch die Wolken und die Temperatur kletterte auf 20 Grad. Die Wege waren stark frequentiert - Sonne und Samstag lockte viele Gleichgesinnte hervor. Einmal drängte mich ein E-Bike-Fahrer in einem bissigen Anstieg so rapide von meiner Linie ab, dass ich ihm innerlich wünschte, sein Akkus würde gleich den Geist aufgeben.

Nach fast drei Stunden im Sattel klang der Tag am Strand aus.



Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:
"Da drüben in Afrika hat einer das Licht angelassen."
"Ohne die Fox-Kappe hätte ich ihn nicht erkannt."
"Du bist erst richtig Pro, wenn du einen Bus fährst, wo dein Name draufsteht.
"Also ich muss ganz ehrlich sagen: Downhill ist für mich kein Können, das ist Glück!"
"Sind 5 Kugeln Eis am Tag noch sportlergerecht?"











 

Mittwoch, 11. Januar 2017

Trainingslager Italien Tag 2 & 3: Von Sprachbarrieren, Schotterwegen und italienischem Kaffee

Nun sind wir schon den dritten Tag in Italien und so langsam kommen wir den Sitten, Bräuchen und vor allem der Sprache ein wenig auf die Spur. Dazu eine kleine Kaffeekunde:

-Man bestellt einen Espresso - bekommt einen Espresso.
-Man bestellt einen Kaffee - bekommt einen Espresso.
-Man bestellt einen Kaffee Americano - bekommt entweder einen doppelten Espresso oder mit ganz viel Glück noch heißes Wasser dazu!

Diese Erkenntnis hat einige Kaffeebestellungen gedauert, doch nun kann der Koffeinkick kommen.

Des Weiteren kommt man ohne jegliche Italienischkenntnisse stets weiter, indem man an bekannte Wörter einfach ein `o´ oder ein `a` hängt. So benutzen wir gerne "strada", "asphalto" und "finito", um uns nach dem Weg zu erkundigen. Dazu muss man sagen, dass die Italiener sehr hilfsbereit und mitteilungsfreudig sind.

Nun noch zum eigentlichen Zweck dieser Reise - das Training. Die letzten zwei Trainingstage waren sehr intensiv. Nach Bergintervallen gestern, standen heute vier Stunden Grundlage im Trainingsplan. Diese wollte ich eigentlich auf dem Rennrad absolvieren und eine schöne flache Tour entlang der Küste machen. Dieses Projekt scheiterte allerdings schon nach einer halben Stunde. Da uns der Verkehr auf der Küstenstraße doch zu stark störte, beschlossen wir in ein Seitental abzutauchen und über einen Pass zu fahren. So weit so gut. Da wir den Weg nicht kannten und die Beschilderung nicht verstanden, erkundigten wir uns bei einem Einheimischen. Wir verstanden - wie bereits oben erwähnt - nur die Wörter "asphalto" und "finito" "tre". Ich schlussfolgerte, dass nach 3 Kilometern der Asphalt aufhören wird. Meine Sprachkenntnisse wurden jedoch nicht zur Kenntnis genommen, sodass wir uns doch auf die Straße begaben. Doch was geschah nach 3 Kilometern? Der Teerweg verlief sich in eine Schotterpiste. Also wieder zurück.

So entschied ich, die vier Stunden Grundlage auf zwei Einheiten zu strecken. Nach einer Mittagspause wechselte ich auf das Mountainbike und hängte noch zwei Stunden Techniktraining dran.




Der erste Dreierblock ist nun absolviert: Ich kann ein gutes Fazit ziehen mit 11 Stunden, 150 Kilometern und fast 4000 Höhenmetern. Nun freuen sich die Beine aber auch auf den morgigen Ruhetag.


Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:
"Gibt es hier in Frankreich kein Flaschenpfand? Achso wir sind ja in Italien."
"16 mal 1 Minute...joa, das muss man auch wollen."
"Selbst die Forstwege sind hier auf der Singletrailskala bei S3 einzustufen."
"Wir können jetzt nicht überall den Kaffee testen, sonst kriegen wir einen Koffeinschock."




 
 
 

Montag, 9. Januar 2017

La Dolce Vita: Flucht ins Warme


Da der deutsche Winter trotz des Klimawandels seit Tagen mit Eis und Schnee vorherrscht, war es an der Zeit zu handeln. Denn schließlich werden Sommersportler im Winter gemacht und Grundlage bei Kälte und Schnee ist wenig attraktiv. Darum hieß es Koffer packen und auf ins Warme. Das Ziel des ersten Trainingslagers: Finale Ligure in Italien. Lockt mit täglichen 9 Sonnenstunden, Palmen, Mittelmeer und angenehmen Temperaturen.
Zudem liegt Finale nur rund 10 Autostunden entfernt und lässt sich so bequem ohne Flieger und dementsprechend mit der Mitnahme aller geliebten Räder erreichen. Apropos Räder - dazu einen kurzen Schwenk:

Da wir unsere geliebten Räder partout nicht auf den prinzipiell beladungsfreundlichen und "Im-Auto-Platz-Schaffenden" Fahrradheckträger packen wollten (denn: fieses Streusalz auf der Straße, Regen, Schnee, Gefahr bei Auffahrunfällen, eisiger Wind...) gab es nur eine Möglichkeit: 3 Räder, Gepäck für 2 Wochen plus Verpflegung und diverse andere wichtige Kleinigkeiten hinein in den Kleinwagen. Der Kleinwagen wurde dem Kombi aufgrund der Spritsparsamkeit vorgezogen. Und man macht sich keine Vorstellung über die Großräumigkeit eines Kleinwagens. Gut - ein paar Vorkenntnisse im Spiel Tetris halfen ungemein. Doch nach einigem Tüfteln: Klappe zu und alles drin!


Schon die Hinfahrt war ein echtes Erlebnis. Herrschten bis zum Gotthardt-Tunnel noch verschneite Straßen, Nebel, Eis, Glätte und Minustemperaturen vor, markierte der Tunnel dann den Übergang in eine andere Vegetation. Die fast 20 kilometerlange Röhre spuckte uns in einer anderen Welt aus: Plusgrade und Sonne! So konnte es doch weitergehen. Nachdem ich mich an der Umgebung sattgesehen hatte, stiegen die Temperaturen immer weiter und dann kam auch schon das azurblaue Meer in Sichtweite. Ein Traum!


Der erste Morgen begann vielversprechend: Frühstück mit Blick auf die aufgehende Sonne und strahlendblauer Himmel. Zur Sicherheit wählte ich jedoch ein Outfit, was Temperaturschwankungen von mehreren Grad verkraftete. Jedoch waren es nicht so viele Schichten, wie man zuletzt in der Heimat anlegen musste. Auf dem Weg zum Radkeller, kam es mir komisch vor, ohne Stirnband, dicke Überschuhe und Winterhandschuhe.





Am ersten Tag stand die Gebietserkundung im Zuge einer langen Mountainbike-Ausdauerfahrt sowie Fahrtechnik auf dem Trainingsplan. Der erste Anstieg führte dann direkt ins das Paradies der unendlichen Pfade und Wege mit Meerblick. Meine ersten Begegnungen mit den Rock Garden (fiese Steinfelder) verliefen noch recht zögerlich, doch irgendwann wählte ich die richtigen Linien.


Ohne es zu Wissen befand ich mich dann plötzlich in einer Stage der Enduro World Series und fühlte mich mit meinem Race-Hardtail doch etwas deplatziert. Die ersten Meter wagte ich mich hinein, zog es dann jedoch vor, die Schlüsselstellen zu Fuß zu betrachten. Zum Glück gibt es genügend Ausweichmöglichkeiten, kann man sich doch an über 70 gepflegten Mountainbike-Trails erfreuen.
Das Training klang auf dem Marktplatz in Finale aus, dort checke ich direkt ab, wo es das beste Eis und den besten Espresso gibt.

Ich freue mich auf weitere Tage hier im Paradies.

Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:

"Hola!"..."Achso, wir sind ja gar nicht in Spanien."
"Ich fahre locker Trails mit der Stufe S3. Naja vielleicht fangen wir erst mal mit S0 an."
"Olivenöl mag ich ja total, aber Oliven sind nicht mein Fall."
"Hier wächst ja alles. Schau mal der Rasen! Stell dir vor, wir müssten 365 Tage im Jahr den Rasen mähen."

Samstag, 31. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016 - Es kann nur besser werden!

Das Wichtigste zuerst: Ja, mich gibt es auch noch! Ich hatte in diesem Jahr so viele Ups und Downs, das ich rund um die Uhr damit beschäftigt war, dagegen anzuarbeiten.
Ich habe lange überlegt ob ich überhaupt einen Jahresrückblick machen will, wo ich doch so lange still gewesen bin, aber ich denke es ist einfach eine geeignete Art, mit diesem doofen Jahr 2016 endlich abzuschließen.

Auch in diesem Jahr begann die Radsportsaison für mich mit einem Trainingslager in Mallorca. Es ist nicht so, dass ich bis dahin nicht trainiert habe, aber nichts geht halt über 10 Tage Sonne, Strand und Rennrad mit der coolsten Crew! Nachdem vorher aus persönlichen Gründen sehr lange unklar war ob ich dieses Jahr dabei sein kann bin ich wahnsinnig froh dabei gewesen zu sein. Es war einfach wieder eine wahnsinnig tolle Erfahrung hat mich auf jeden Fall weiter gebracht. Und Leute, ich liebe euch alle!
 
Gut vorbereitet startete ich also Anfang April in mein erstes Jahr als Lizenzfahrer für die Bad Bikers. Zum dritten Mal stand ich nun beim Hellentaler Warm-Up Marathon an der Startlinie und konnte direkt meinen ersten Sieg in der Lizenzklasse einfahren. Was für ein Start in die Saison, wo ich mich doch mit Entgegennahme meiner Lizenz eigentlich erstmal vom Treppchen verabschiedet hatte.

Dann stand der Marathon in Bad Harzburg an. Nachdem mich die anspruchsvolle Strecke letztes Jahr fast zum Aufgeben gezwungen hatte stand ich mit gemischten Gefühlen im Schneeregen an der Startlinie. Doch es lief viel besser als erwartet, ich konnte mich auf meine Fähigkeiten verlassen und die Kondition tat auch bei starkem Schneefall einwandfrei ihren Dienst, der zweite Platz schien völlig sicher. Und dann platze mein Reifen 4 Kilometer vor dem Ziel. Ich rannte, rutschte, fuhr auf der Felge und  kämpfte für eine Platzierung, doch trotzdem reichte es letztendlich nur für den 4. Platz. Trotz einer eigentlich fantastischen Leistung war ich am Boden zerstört.

Revanche. Ich wollte es unbedingt wissen. Am 1. Mai stand ich spontan wieder an der Startlinie, diesmal beim Bergzeitfahren in Kaufungen. 2. Platz, neue Erfahrung, top Renntag für mich.

Und dann kam der Virus. Zunächst getarnt als vermeintlich nervige, aber nach einer paar Tagen auskurierte Mandelentzündung.

Nichtsahnend war ich Ende Mai beim Bikefestival in Willingen dabei und durfte aus dem ersten Startblock heraus starten, dort wo die ganz großen Namen in Sichtweite waren. Das Rennen allerdings zog sich wie Kaugummi, die Beine wollten nicht, die Schaltung gab schließlich auf. Doch Dank der Motivation von Dani fuhr ich das Rennen zu Ende und harkte es in der Kategorie „Schlechter Tag“ ab. 
 














Doch es wurde nicht besser. Nicht beim Start in Neuhaus, nicht in Rinteln und schon
Mal so gar nicht in Neumorschen, wo ich während des Rennens kollabierte. Ratlosigkeit machte sich breit. Ich bekam einfach keinen Druck aufs Pedal, mir fehlte die Energie, die Kraft. Mein Körper rebelliert. Die Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber. Das heißt für Sportler: das war es erstmal mit Sport. Ich musste die Saison vorzeitig beenden. Stattdessen Ruhe, Schonen, Regeneration. Das liegt mir ja mal so gar nicht.

Zu meiner Frustration über den Verlauf der Rennen, die ich gefahren war kam nun die Frustration über die Zwangspause und kurz darauf die Frustration darüber, beim Training nie richtig Gas geben zu dürfen. Das ist eine Menge Frustration auf einmal und führte bei mir zu dem Zweifel, ob es das alles wirklich wert ist. Genau zu diesem Zeitpunkt schnappte ich mir mein Bike und fuhr ein Wochenende in den Thüringer Wald. Irgendwo zwischen schmalen Trails, dichten Wäldern und Bächen fand ich meine Begeisterung, Leidenschaft und Kampfgeist für den Sport zurück. Und von da an ging es auch langsam aber sicher wieder aufwärts. Kurz darauf adoptierte ich ein zweites „Baby“: ein schwarzes Rennrad gehörte von nun an zu unserer Familie.

Nach 4 Monaten Grundlagentraining, in denen meine Pulsuhr mein bester Freund wurde, lief es im Herbst endlich wieder besser. Die Trails gehörten wieder mir, die Bergsprints klappten wie am Schnürchen, die Rennradkilometer purzelten. Ich hatte das Licht am Ende des Tunnels erreicht.

Ich habe in diesem wechselvollen Jahr wahnsinnig viel Unterstützung erfahren, für die ich sehr dankbar bin. Danke vor allem an meine Familie und meinen Lieblingsmenschen: ihr habt immer dafür gesorgt, dass ich das Licht am Ende sehe und weiter kämpfe für meinen Sport. Und dafür das ihr immer an mich geglaubt habt. Danke an die Bad Bikers für die Unterstützung und einfach allen, die mich in meinem Sportlerleben unterstützt haben.

2016: Fuck off!
2017: Los geht’s, ich bin bereit für alles was kommt!

Wir sehen uns an der Startlinie!

Keep on riding,

Evelyn












Mittwoch, 28. Dezember 2016

365 Tage aus Liebe zum Sport

Leistungssport ist harte Arbeit. Wer am Rennwochenende vorne mitmischen will, muss viel investieren. Vor allen Dingen viel Zeit.

Meine Jahresstatistik 2016:
- 6000 km und 460 Stunden Training auf dem Rad

- 403 km Lauftraining

- 61 Stunden Kraft- & Athletiktraining

- 4 Trainingslager
- 14 Wettkämpfe (sechs Siege, viermal Platz 2, zweimal Platz 3, Rest Top Ten)
- 365 Tage aus Liebe zum Sport!
- 365 Tage aus Liebe zum Sport!

- 14 Wettkämpfe (sechs Siege, viermal Platz 2, zweimal Platz 3, Rest Top Ten)
- 365 Tage aus Liebe z
Leistungssport auf diesem Niveau ist sehr zeitintensiv und verlangt, dass man an einigen anderen Stellen Abstriche macht. Die Tage, die Ernährung, der Schlaf – alles ist in gewisser Weise durch getaktet. Dennoch erlebe ich die Trainingszeit und das Sportlerleben als kostbarste und intensivste Zeit. Und möchte dies auch in der kommenden Saison nicht missen.


Wenn gleich mich mein Sportlerleben sehr erfüllt und ich es genieße, dass ich meinen Traum vom Mountainbiken leben darf, bin ich in der letzten Saison öfter an meine Grenzen gestoßen. Grenzen, die mir aufzeigten, dass der enorme Druck – den ich mir überwiegend selber mache – nicht immer einfach auszuhalten ist. So stand ich kurz vor meinem letzten Rennen – mein Lieblingsrennen am Dünsberg – nach einer guten Saison tatsächlich vor der Frage: „Sollte man nicht aufhören, wenn es am Schönsten ist?“ Und warum? Zum einen fürchtet der Leistungssportler, dass er nach einer guten Saison vielleicht nicht noch eine weitere Saison an diese Leistungen anknüpfen kann. Für das Ego wäre dann ein glanzvoller Abtritt besser. Zum anderen ist man nach 14 Rennwochenenden einfach nur rennmüde und kann sich solche Strapazen nicht noch ein weiteres Jahr vorstellen. Doch die Gedanken an ein „Karriere“ende verflogen zum Glück so schnell, wie sie aufblitzten.

Nun liegt mein Fokus auf der Mission Saison 2017. Denn schließlich kann man seine Grenzen nur überschreiten, wenn man sie kennt.
 
Mein Wintertraining zur Vorbereitung ist bereits seit Wochen in vollem Gange und ich habe einige grundlegende Dinge verändert. Hielt ich bis vor kurzem noch an meiner These „Ohne Watt zum Erfolg!“ fest, habe ich mich in dieser Ansicht endlich einsichtig gezeigt. Aus einem „Na gut, ich teste das mal“, ist die hundertprozentige Begeisterung für das Watttraining entstanden. Eine effektivere und effizientere Trainingssteuerung ist kaum möglich. Somit geht es also „Mit Watt“ ins neue Jahr. Eine weitere Änderung ist ein neuer Trainer an meiner Seite, der mein Training und meinen Alltag so gut kennt, wie kein anderer.

Da Sommersportler im Winter gemacht werden – was angesichts der meteorlogischen Bedingungen in Deutschland nicht immer von Vorteil ist, entfliehe ich der nassen Kälte im Januar für das erste Trainingslager. Und werde meine ersten Grundlagenkilometer in Finale Ligure sammeln.
 

In diesem Sinne: Einen guten Start ins neue Jahr und keep on riding!

Vanessa