We are specialized!

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Montag, 29. Mai 2017

Hunburg-Marathon Kirchhain: Wassernot bei 30 Grad

Der Marathon in Kirchhain war eine Premiere mit seiner ersten Ausrichtung. Und wenn schon einmal ein Marathon im eigenen Landkreis - nur eine halbe Stunde Autofahrt entfernt - stattfindet, sollte man diesen im Rennkalender natürlich berücksichtigen. Für mich sollte es mehr ein Trainingsrennen werden, da ich auf dem Weg zu meinen Saisonhöhepunkten im Juni/Juli noch das ein oder andere kleinere Rennen mitnehme.


Der Start lag entspannt und Langschläfer-freundlich um 11.30 Uhr – fiel damit jedoch in die Mittagshitze. Wir ergatterten glücklicherweise noch einen der begehrten Schattenparkplätze. Nach dem Abholen der Startunterlagen, dem Checken des Start- und Zielbereiches sowie dem Begrüßen allerlei bekannter Gesichter, war es schon an der Zeit für das Warmfahren. Wobei eigentlich war mir bei 30 Grad schon warm genug. Die freie Rolle positionierte ich im Schatten, kämpfte mal wieder mit der korrekten Lieferung der Wattdaten (dies scheint neuerdings zur Regel zu werden), gab den Kampf schließlich auf und brachte meine Beine dann nach Gefühl in Rennstimmung.

 
Da heute alle Fahrer einen schattigen Platz suchten, war der Startblock auch fünf Minuten vor dem Start noch recht leer. Ich sicherte mir einen Platz neben meinem Lieblingsmenschen (heute endlich mal wieder ein gemeinsamer Start auf gleicher Strecke) in der ersten Reihe. Der Moderator nutze die Zeit bis zum Startschuss für ein kurzes Interview mit uns beiden und der Zugabe „Ihr seht so schnell aus.“ Naja wenigstens sahen wir schon mal so aus. Ob wir das auch sein werden?

Nach dem Startschuss versuchte ich an den schnellsten Männern dranzubleiben, um den ersten zähen Wiesenanstieg zügig hinter mich zu bringen. Die Sonne brannte gewaltig und die Luft war schwül. Der erste Trail holperte mit vielen Wurzeln bereits ordentlich. Die Kehle war trocken und der Schweiß lief. Der Griff zum Flaschenhalter offenbarte dann nichts Gutes: LEER! Meine Flasche hatte sich wohl unbemerkt im ersten Trail verabschiedet. Keine optimalen Voraussetzungen für ein solches Hitzerennen. Und das Schlimme ist, dass der Durst immer dann umso größer wird, wenn kein Getränk zur Verfügung steht. Ich setzte fortan alle Hoffnungen auf die Verpflegungsstelle, die ich hinter jeder Kurve vermutete. So stelle ich mir das Gefühl in der Sahara vor– Oase oder Fata Morgana? Als die Verpflegung dann endlich am Horizont erschien, gab es dort leider keine Flaschen, sondern lediglich kleine Becher. Also nur ein Schluck und weiter.
 

In meinen ganzen „Ich-werde-verdursten-Gedanken“, vergas ich völlig mir Gedanken über das aktuelle Renngeschehen zu machen. Meine Startflucht sicherte mir bis dato den Vorsprung. Zunächst hatte mit zwei Männern eine Gruppe gebildet, die jedoch dann platze. Ich war fortan alleine unterwegs, ein passender Windschattenspender fand sich nicht mehr. Die Strecke war schön, jedoch sehr selektiv. Viele kurze Anstiege vermittelten das Gefühl, dass es im Prinzip nur bergauf ging. Dann ein letzter Teeranstieg, zwei steile Kniffe, hinunter auf einem Wiesentrail, vorbei an den Zuschauern und ab ins Ziel. Als erste Frau mit sechs Minuten Vorsprung und nur acht Männern vor mir. Gewonnen hat übrigens mein Lieblingsmensch, sodass wir tatsächlich heute nicht nur schnell aussahen, sondern auch waren. J




 

Insgesamt war das Starterfeld leider eher überschaubar – ich denke, dass es an der Premiere des Marathons lag. Falls es 2018 eine zweite Auflage gibt: Tolle Strecke, super Organisation und schönes Event- es lohnt sich also zu starten.

In diesem Sinne:

Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

„Hast du die Flasche wieder nicht richtig in den Halter gesteckt?"

         „Ach quatsch, das muss am Halter liegen!“

„Ohne Wasser zum Erfolg.“


Zu guter Letzt:

Was ich gerne noch einmal loswerden möchte: Es gibt immer mal wieder Zeitgenossen, die der Meinung sind, dass Siege über Kurzdistanzen im Grund nichts wert sind und diese kleinreden. „Sportler, die gut fahren, sollten doch gefälligst über die Langstrecken fahren und nicht die Kurzdistanzen für sich entscheiden.“ Dazu fällt mir nur Folgendes ein: Es gibt in jeder Sportart Spezialisierungen, der eine kann das gut, dem anderen liegt das. So startet ein 400-Meter-Läufer auch nicht bei einem Marathon! Des Weiteren bin ich der Meinung, dass sich die Leistung nicht über die Streckenlänge definiert. Und letztlich geht es nur um Eins: Dass der Sport Spaß macht und eine Leidenschaft ist. Egal ob auf 20, 40, 60 oder 100 Kilometern.
 

Dienstag, 23. Mai 2017

Schinderhannes Marathon Emmelshausen: Luftnot, Garmin-Tücken und doppelte Freude!

Das Gefühl am Rennmorgen war eher mittelmäßig: Die Beine waren schwer, der Schlaf nicht so erholsam und das Zeitfenster zwischen Frühstück und Abfahrt mal wieder viel zu eng. Beim Verladen meines Bikes stellte ich zudem fest, dass es über Nacht vorne deutlich an Luft verloren hatte. Da bin ich natürlich in der glücklichen Lage, meinen Mechaniker mit dabei zu haben! ;-)

Die Anreise kam mir irgendwie unendlich lang vor – Landstraße, Autobahn, Landstraße, Landstraße. Mit dem Radträger auf der Anhängerkupplung sind Autobahnfahrten auch kein großer Genuss, da ich mich bei Erreichen des für den Kupplungsträgerbetrieb vorgeschriebenen Tempolimits bei 130 km/h stets bremsen muss, oder eher gebremst werde. Sobald die Carbonfelgen im Wind flattern. J  Endlich angekommen war die Schlange bei der Anmeldung schon sehr lang – fast 1400 Starter wagten sich auf 4 verschiedenen Strecken. Eine wirklich beachtliche Anzahl!

Das Warmfahren auf der freien Rolle gestaltete sich bedingt durch Garmin-Tücken und fehlgeschlagene Kalibrierungen des Leistungsmessers als schwierig. Da ich trotz mehrfacher Neustarts keine korrekten Wattdaten geliefert bekam, musste ich mich nach Gefühl aufwärmen. Die Angst, dass ich nun auch im Rennen keine Daten hatte, machte sich breit. Natürlich kann man auch ohne Wattanzeige Rennen fahren, jedoch möchte ich zur Steuerung kaum noch auf diesen wunderbaren Luxus verzichten.

Ich fand mich früh im Startblock ein, da die Erfahrung meines Starts aus dem Vorjahr zeigte, dass man ansonsten ganz weit hinten steht. Beim Schinderhannes Marathon markierte sich dann eine neuer Trend: Warmfahren auf der freien Rolle direkt im Startblock. Platzreservierung inklusive toller Geräuschkulisse für die anderen Sportler. Dann stellt euch demnächst doch lieber wieder von vorne an! ;-)

Nach dem Startschuss folgte eine rund 7 kilometerlange Einführungsrunde, in der ich mir eine gute Position schaffen konnte. Und sogar mein Leistungsmesser griff pünktlich mit ins Renngeschehen ein und lieferte schöne Zahlen. Beruhigend. Ich setzte mich nach vorne ab und fuhr an eine Männergruppe heran, an der ich versuchte dranzubleiben. Das Tempo war hoch, sodass ich bergab gar nicht mehr mittreten konnte, weil mir die Gänge ausgingen. Es blieb keine Zeit für Erholung, das ständige auf und ab forderte alle Kräfte. Einen Blick zurück wagte ich nicht und wollte nur eins: Meine Führung nicht verlieren. Die gelbe Beschilderung wahrzunehmen, machte  an manchen Stellen durch die vielen gelben Rapsfelder Mühe, sodass ich mich an einer Stelle mit der Gruppe verfuhr. Wir merkten es jedoch schnell und kehrten um. In einer ruppigen Wurzelpassage spürte ich, dass mein Vorderrad wieder etwas Luft verloren hatte. Bei einem Platten wäre ich dieser Situation ohne Equipment wie Pumpe oder Schlauch hilflos ausgeliefert gewesen. Doch es ging alles gut, die Restluft hielt. Auf mein Rad ist doch immer Verlass. Noch einmal ging es über die „Wiese der 1000 Flüche“ – dem letzten Stück vor der Zieleinfahrt. Ich überquerte die Ziellinie als Gesamtsiegerin und 20. von allen 180 Fahrern, mit 8 Minuten Rückstand auf den Sieger. Die nächste Frau folgte erst mit 4 Minuten Rückstand. Es war ein hartes, aber auch sehr schönes und solides Rennen für mich.



Im Ziel konnte ich mich dann sogleich auch mit meinem Lieblingsmenschen freuen, der ebenfalls gewonnen hatte. Geteilte Freude ist doppelte Freude.
 

Ein großes Lob an die Ausrichter des Marathons: Sehr gut und liebevoll organsiert, schöne Strecken und tolles Ambiente. Der Termin für 2018 ist schon im Rennkalender notiert.

Nächste Woche steht ein heimischer Marathon an: Der 1. Hunburg-Marathon in Kirchhain.

In diesem Sinne: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Zwei Sachen sollte man bei Rennen IMMER dabei haben: Einen Regenschirm und Ersatzbatterien für das Powermeter!“

„Ohne Watt fahre ich nicht!“

 
  

Samstag, 6. Mai 2017

Ergon Bike Ergonomics: Neuer Produktsponsor!

Ich freue mich sehr, dass mich Ergon Bike Ergonomics für diese Saison mit Handschuhen und IP3 Einlegesohlen ausstattet! Vielen Dank für das Equipment.



Besonders gespannt bin ich auf die neuen IP3 Einlegesohlen, die Ergon gemeinsam mit dem Sohlenspezialisten Solestar entwickelt hat. Diese leiten die Kraft aus den Beinen biomechanisch optimal, gelenk- und sehnenschonend über die Füße, direkt in die Pedale. Für mich optimal, da ich bei längeren Distanzen des Öfteren Krämpfe unter der Fußsohle bekomme.



Ich werde die Einlegesohlen in den nächsten Wochen testen und euch dann über meine Erfahrungen berichten. J




In diesem Sinne: Keep on riding,

Vanessa

Dienstag, 2. Mai 2017

Bergzeitfahren Schotten: Der „Mont Ventoux“ Hessens


 
764 Meter misst der Hoherodskopf im Vogelsberg. Eine Rennrad-Fachzeitschrift betitelte diesen Berg in ihrer letzten Ausgabe als „Mont Ventoux“ Hessens. Denn beide Berge wirken von weitem flach und unscheinbar, haben es steigungstechnisch aber doch ganz schön in sich. Letzten Samstag führte mich mein Rennkalender ins kleine Städtchen Schotten zum Bergzeitfahren auf besagten Berg. Die Daten: 12 Kilometer und 550 Höhenmeter!

Durch mein für Bergetappen relativ günstiges Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis sollte mir rein theoretisch ein solches Bergzeitfahren entgegenkommen. Doch praktisch war ich mir am Start noch nicht so sicher, denn als ich meinen Blick durch die Reihen schweifen lies, entdeckte ich viele starke Konkurrentinnen. Es gab im Grunde zwei Taktiken für den Rennverlauf:

1)      Zusammenarbeit mit den anderen Damen und Windschatten nutzen, Vorbereitung auf einen Sprint am Ende

2)      Direkt am Start eine Lücke aufreißen und einen Vorsprung rausfahren.

Ich entschied mich für Taktik zwei, da ich mich damit sicherer fühlte und ich im Sprint oft den Kürzeren ziehe. Soweit so gut fand ich relativ gleichmäßig in das Rennen und konnte mich direkt nach vorne absetzen. Wie groß die Lücke war, wollte ich nicht wissen - ich drehte mich nicht um, sondern fuhr einfach mein Rennen. Nach Kilometer vier überholte mich dann plötzlich eine (vermeintliche) Konkurrentin. Oder besser: Ich sah nur blonde, längere Locken und eine schmale Figur mit ordentlich Druck am Berg. Hätte ich einmal genauer hingesehen – doch dazu gleich mehr. Zunächst konnte ich das Tempo nicht mitgehen. Der Abstand blieb allerdings in Sichtweite. Bei Kilometer 10 war ich dann schließlich wieder rangefahren. Kurz vorm letzten Wurzeltrail am Fuße des Zielhanges attackierte ich dann mit letzter Kraft und setzte mich ab. Das war schon fast eine Attacke wie aus dem Lehrbuch. J Endlich kam der Zielbogen in Sicht und die Zuschauer am Rand feuerten die Fahrer kräftig an. Die Ziellinie überquerte ich mit einer Zeit von 39 Minuten als erste Frau. Meine vermeintliche „Konkurrentin“ entpuppte sich im Ziel dann als Fahrer. Hätte ich doch mal genauer hingesehen. Doch wer weiß, ob ich ohne meine Aufholjagd und die Schluss-Attacke über zwei Minuten Vorsprung auf die zweite Dame hätte rausfahren können?! J Allerdings wird sich der blonde Fahrer doch sehr über mein komisches Fahrverhalten gewundert haben. Für mich war es aber super Taktiktraining.

So war ich im Ziel sehr zufrieden und gleichzeitig auch überrascht, da ich mit einem Gesamtsieg nicht gerechnet hatte.

Die nächsten zwei Wochen sind nun rennfrei und trainingsintensiv, bevor ich dann wieder an der Marathon-Startlinie stehe.

In diesem Sinne: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Du kannst auch nicht so schnell zittern, wie du frierst.“

„Jetzt eine Currywurst mit Pommes, das wäre was.“

 

 

Montag, 24. April 2017

Bad Harzburger Mountainbike Marathon: Gute Vorbereitung ist viel wert.

Am vergangenen Wochenende führte mich der Rennkalender in eine bis dato unbekannte Region: In den Harz an den Fuß des Brockens. Vom dort stattfindenden Bad Harzburger Mountainbike Marathon hatte ich im Vorfeld nur Gutes gehört, sodass ich neugierig wurde und diesen selbst einmal fahren wollte. Da die geographische Entfernung von meiner Heimat zu viel für eine Anreise am Renntag war, reisten wir bequem am Vortag des Rennens an. So gab es damit verbunden auch gleich einige Vorteile: Streckencheck und testen der Bedingungen am Rennvortag, Ausschlafen am Renntag und kurze Anreise zum Start von nur rund 5 Minuten. Zu verdanken haben wir diese Tatsachen der Gastfreundschaft und liebevollen Betreuung von zwei Bekannten, die uns bei sich zu Hause aufnahmen. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle!

Die für mich so wichtige Vorbelastung (bisher galt: Mit der Vorbelastung steht und fällt das Rennen – eventuell muss ich diese Aussage nun überdenken) fand demnach direkt auf der Strecke des Marathons statt. Jedoch stellte ich dabei fest, dass meine Beine sich nicht sonderlich gut anfühlten. Das kalte Wetter mit vielen Regengüssen trug seinen Teil zur Stimmungslage bei. Insgesamt kann ich froh sein, dass mein Lieblingsmensch mich aufgrund meiner Meckereien nicht irgendwo im weitläufigen Harz zurückließ.   Alles in allem war ich mir am Vorabend des Ereignisses nicht so sicher, ob es ein gutes Rennen werden würde. Durch diverse Videoananalysen, Insider-Tipps zur Strecke und deren Schlüsselstellen sowie den Bedingungen durch unsere ortskundigen Gastgeber fühlte ich mich jedoch zu mindestens auf die unbekannte Strecke bestens vorbereitet.

Der Rennmorgen begann dann so entspannt, wie noch kein Rennmorgen in meinem Leben je begonnen hatte. Denn zumeist ist die Zeit straff durchgetaktet, um zum einen die maximale Schlafdauer auszureizen und zum anderen gerade noch rechtzeitig anzukommen. Diesmal war es anders: Ausschlafen, in Ruhe frühstücken und den Service genießen, die Startunterlagen abgeholt zu bekommen.

Das Wetter bot einen harmonischen Mix aus allen erdenklichen Wetterlagen: Schneeschauer, Graupel, Regen, Wind, Sonne und vor allem Kälte. Typisch April – zum Glück ist dieser Monat bald Geschichte. J Das Warmfahren lief nach einigen Startschwierigkeiten im Umgang mit der freien Rolle (dies möchte ich an dieser Stelle nicht genauer ausführen, glücklicherweise gibt es keine ZeugenJ) gut, sodass ich mich mit viel Rennlust und Vorfreude an der Startlinie einfand. Mein Start war extrem aggressiv und schnell, sodass ich direkt eine große Lücke aufriss und mich an die Führungsgruppe hängte.
 
 
 
 
 
Denn ich wusste, dass mich am ersten Berg 6 Kilometer und fast 500 Höhenmeter am Stück auf einem engen Singletrail erwarteten. So war eine gute Ausgangsposition Grundvoraussetzung für ein flüssiges Durchkommen ohne Stau am Berg.
 
Die Wattwerte auf dem Garmin erreichten utopische Dimensionen und ich wunderte mich selbst über diesen Start. Am Berg pendelte sich mein Tempo dann auf einem gleichmäßigen und zügigen Level ein. Die Trails waren zwar matschig und erforderten volle Konzentration, machten aber sehr viel Spaß. Forstautobahnen gab es nur als kurze Zulieferer zwischen den einzelnen Trails. Der vorletzte Trail querte einen Bach, vor dem ich im Vorfeld gewarnt wurde.
 
 
Um einen Plattfuß durch die spitzen Steine zu vermeiden, sollte das Tempo gedrosselt werden. Gut so, denn am Rand säumten sich bereits viele Reifenpannen-behebende Sportler. Nach dem letzten Anstieg folgte kurz vorm Ziel ein rasanter Wiesentrail. Die letzten Meter hörte ich bereits die Zuschauer aus dem Sportpark und freute mich auf die Zieleinfahrt. Als erste Frau überquerte ich die Ziellinie und war auch ein bisschen stolz, dass nur 8 Männer schneller waren als ich.
 

Ein super Event mit toller Strecke! Dafür hat sich die weite Anreise in den Harz gelohnt. An Toralf und Beate noch einmal ein großes Dankeschön für die Gastfreundschaft, die persönliche Betreuung an der Strecke und die Fotos!!

Nächste Woche reise ich zum Bergzeitfahren nach Schotten.

In diesem Sinne,

Keep on riding,
 
 
 
Vanessa

 
Zitate des Tages:

„So ein Rennen ist schnell gefahren, aber bis man wieder alle Spuren beseitigt hat.“

„Am Berg ging die Kleine ja voll ab!“

„Habt ihr hier auch manchmal gutes Wetter?!“

Sonntag, 23. April 2017

Hellental 2017: Aller Anfang ist schwer

Ja, schon klar. Ich weiß, ich weiß, ich bin spät dran. Und dann immer die gleichen Ausreden: Training, Uni, Kaninchen, Lieblingsmensch, Ostern... Es gibt einfach immer was zu tun, gerade im Frühling, wenn man nach dem ewigen Winter gar keine Wahl mehr hat als raus zu gehen. Aber da jetzt bei uns auf dem Berg der Winter zurück ist und draußen die Flocken fliegen, habe ich Zeit mein erstes Rennen nach 10 Monaten schriftlich zu verarbeiten.

Ich habe im Vorfeld lange überlegt, ob ich überhaupt wieder Rennen fahren will. Wann immer ich auf meine Saisonplanung angesprochen wurde hielt ich mich bewusst bedeckt und unbestimmt. Was ich sicher wusste war nur, das ich mir in dieser Hinsicht keinen Druck machen wollte und möglichst nach Lust und Laune antreten wollte. Nicht einmal einen Rennplan hatte ich mir bis dato geschrieben. Aber als der Warm-up Marathon in Hellental immer näher rückte, kam auch das Rennfieber zurück. Nach einem letzten Zögern, ob es wirklich so klug war am Vortag vor einer Uniprüfung den ganzen Tag auf dem Rad zu verbringen, war ich am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg in den Solling, wo schon um kurz vor 8 reges Treiben im Fahrerlager herrschte: Räder wurden begutachtet, Luft aufgepumpt, Profile verglichen und nicht zuletzt Umarmungen ausgetauscht. Das erste Rennen in der neuen Saison ist immer ein bisschen wie ein großes Familientreffen, wo man Menschen trifft, die man zwar irgendwie schon ewig kennt, aber viel zu selten sieht. Bereits zum viertel Mal meldete ich mich im Wirtshaus des kleinen Ortes an und erhielt im Gegenzug meine Startnummer.
Die Zeit bis zum Start verging viel zu schnell. Umziehen, Rad checken, Warm fahren, Aufstellung im Startblock. Diesmal achtete ich darauf, mich nicht zu weit nach vorne zu schieben, denn obwohl die Strecke in diesem Jahr geändert worden war, in Hellental muss man immer zuerst einen langen fiesen Asphaltanstieg erklimmen, bis man im Wald Gas geben kann.

Nachdem der Startschuss gefallen war startete also genau an diesem Berg meine Rennsaison 2017. Ich hatte ihn aber viel schlimmer in Erinnerung gehabt und konnte von dem „Sog der Masse“ profitieren. Die folgenden 10 Kilometer vergingen zwischen Trails, Forstautobahnen und längeren Anstiegen schnell und meine Beine hatten heute einen guten Tag erwischt. Zweimal wurde ich in dieser Zeit von anderen Fahrern auf unseren Blog angesprochen, danke an dieser Stelle an unsere treuen Leser! Immer wieder traf ich auf eine Gruppe, in denen mein Teamkollege Tobias mitfuhr. Und ohne dass wir darüber gesprochen hätten, auf einmal waren wir ein Team. Und es war schnell klar wer von uns dabei profitieren würde ;)
Der gefürchtete Wiesenanstieg
Nach dem langen flachen Sprint durch das namesgebende Hellenthal mussten wir, wie in jedem Jahr, den Wiesenanstieg zur anderen Seite des Sollings hoch. Wieso haben sie denn bloß nicht diesen Teil der Strecke geändert? Unsere Teamkollegen am Streckenrand gaben uns den Stand der Dinge durch: Ich lag im Moment auf dem 2. Platz in der Damenwertung und keine 20 Sekunden hinter der Dame in Führung. Damit war das Ziel also klar. Nach einem wurzeligen Trail folgte ein langer zehrender Anstieg, der einfach nicht enden wollte. Wir hatten uns einer schnelleren Gruppe angeschlossen und fuhren ein sehr zügiges Tempo, was ich allein ganz sicher nicht gewählt hätte. Aber so musste ich nur auf das Hinterrad vor mir achten und hatte sogar Zeit zu denken: Hey, wie cool ist das denn, es läuft ja super! Und dann kamen uns auf einmal Fahrer entgegen, die uns deutlich machten: Wir hatten uns verfahren. Wir hatten doch tatsächlich die Abbiegung zum Trail verpasst. Nach Unglaube (Nicht wirklich jetzt, oder?), Wut (Na toll, das hat mich jetzt die Platzierung gekostet!!) folgte schließlich Akzeptanz (hey, was soll’s, wenigstens gibt’s gleich Kuchen im Ziel). “Gleich“ war in diesem Fall allerdings sehr relativ. Die letzten 10 Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Schlammige Trails, Anstiege, wieder schlammige Trails, schlammige Abfahrten. Und dann auch noch kein Ziel mehr vor Augen. Der arme Tobias musste sich meine Quengelei anhören: Wieso geht es hier immer nur bergauf? Wir müssten doch längst im Ziel sein! Wieso sind wir immer noch im Wald? Ich schreibe doch morgen Klausur... Aber schließlich erreichten wir den Funpark und kannten uns schließlich wieder aus. Wir gaben auf den letzten Metern nochmal alles und hatten eigentlich vor einträchtig nebeneinander ins Ziel zu fahren. Dies führte allerdings bei mir dazu, dass ich die erste Zeitnahme übersah und fast auf die Ziellinie gefallen wäre. An den Aufschrei der Zuschauer kann ich mich noch ziemlich gut erinnern.
Seht ihr, da sind wir dann falsch gefahren und dann...

Im Ziel herrschte erst einmal allgemeine Verwirrung. Alle fragten sich, wo ich geblieben sei und wie ich noch nicht im Ziel sein konnte, wenn mich doch keiner überholt hatte.  Es stellte sich aber relativ schnell heraus, dass wir nicht die Einzigen waren, die auf der neuen Strecke Probleme mit der Beschilderung gehabt hatten. Zu unserer großen Überraschung hatte ich es trotzdem noch auf den 3. Platz bei den Damen geschafft und ich freute mich riesig über mein erstes Podium 2017. Zudem wir letztendlich statt 32 36 Kilometer auf dem Tacho hatten. So schmeckte der Kuchen im Ziel gleich noch besser.

An dieser Stelle vielen liebe Dank an meinen Teamkollegen Tobias, ohne den ich ganz sicher nicht noch auf dem 3. Platz gelandet wäre. Und es hätte ganz sicher auch nicht soviel Spaß gemacht!

Fazit: Es hat super viel Spaß gemacht wieder an der Startlinie zu stehen. Und auch wenn ich keinen Rennplan habe, ich werde bestimmt bald wieder an der Startlinie stehen.
Zum Beispiel bei der Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren, wer weiß, wer weiß...

Keep riding,

Evelyn







Montag, 10. April 2017

Saisonauftakt im Kellerwald: Es lebe mal wieder die Tradition!

Dass ich im Kellerwald schon unzählige Male gestartet bin, beweist die Tatsache, dass ich dort mittlerweile ohne die Hilfe eines Navigationsgerätes hinfinde. Und das will bei meinem Orientierungssinn schon echt etwas heißen. Am Rennmorgen verriet der Blick aus dem Fenster, dass die Nacht ganz schön eisig war, da alles eine leichte Eisschicht umgab. Dennoch vertraute ich der Wettervorhersage voll und ganz und war mir sicher: Das werden heute noch sonnige 23 Grad. Auf der Fahrt durch dicke Nebelschwaden, die teilweise keine Sicht zuließen und minus 3 Grad auf der Anzeige, geriet mein Kleidungskonzept kurz ins Wanken. Letztlich war ich mit meinem neuen Einteiler, den ich mir schon so lange gewünscht hatte (und der angeblich auch so schnell machen soll ☺) und heute mit aller Gewalt tragen wollte, im Prinzip nur auf wärmere Temperaturen eingestellt. Überhaupt hatte ich gar keine wärmeren renntauglichen Kleidungsstücke eingepackt. Doch dann brach wie aufs Stichwort hinter dem letzten Hügel nach Gilserberg die Sonne durch den Nebel und die Temperaturen kletterten schlagartig aus dem Minusbereich. Auf dem Weg zur Abholung der Startunterlagen überkam mich dann direkt das Rennfieber, als ich die vielen Gleichgesinnten mit den fein gesäuberten Rennmaschinen sah, den Klang der surrenden freien Rollen zum Warmfahren hörte und meine Startnummer am Lenker befestigte.

Das erste Rennen ist immer etwas Besonderes, auch wenn man im Leben schon so oft an der Startlinie stand. Schließlich weiß man nie, wie gut die anderen den Winter über trainiert haben und wo man selbst steht. Für mich lief das Wintertraining für die Saison bedingt durch einen Trainerwechsel und die Arbeit mit einem Wattmesser etwas anders ab als in den letzten Jahren, dafür aber um einiges effektiver. Auch materialtechnisch konnte ich einige neue Errungenschaften testen und mein Rad hat noch einmal Gewicht verloren. Was zudem neu ist: Das Warmfahrprogramm. Sonst gab es dort bei mir nie ein richtiges Konzept – doch dies wurde nun mit einem Programm für die freie Rolle geändert.

So war ich also sehr gespannt und aufgeregt, als ich mich – gut aufgewärmt – im Startblock einfand. Die Sonne hatte mittlerweile den Kampf gegen den kalten Nebel vollkommen gewonnen, sodass ich in meinem gewählten Outfit nicht mehr frieren musste. Das Rennen an sich war dann einfach nur schnell. Ich genoss den staubtrockenen Boden und die feinen Trails und dachte im Prinzip das ganze Rennen über an gar nichts außer Fahren, Schalten, Bremsen. So fokussiert zu sein fällt mir nicht immer leicht, da meine Gedanken auch gerne beim Rennen einmal abdriften (z. B. Steuererklärung, habe ich das Auto eigentlich zu gemacht, was Esse ich denn nachher als Erstes, ach sieh an – die Bäume werden ja schon grün, oh ein Reh) und ich mich nicht voll konzentrieren kann. Doch scheinbar war ich voll im Rennmodus und ehe ich mich versah, war ich auch schon im Ziel. Als erste Frau mit sieben Minuten Vorsprung und insgesamt waren nur 12 Männer schneller.
 

Im Ziel bekam jeder Finisher ein Brot gereicht und ich bekam ein zusätzliches Brot (das Brot hat rund einen halben Meter Durchmesser!) als Siegprämie. Dadurch konnte ich den Nahrungsmittelbedarf der nächsten Wochen erfolgreich sicherstellen.

 
 
Ich freue mich auf die nächsten Rennen!

In diesem Sinne: Keep on riding,

Vanessa

 Zitate des Tages:

„Du kannst auch durch den Bach durchfahren, ist nicht tief!“

            „Nee, aber nass.“

„Wer macht den da vorne Führungsarbeit?!“

„Das lag nur an Aerohelm und Einteiler, sonst wärst du nicht so schnell gewesen.“